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Samstag, 6. März 2010

Auch Lava könnte einige Mars-Kanäle geformt haben

Details des mäandernden Marskanals Ascraeus (Klicken Sie auf das Bild, um zu einer Darstellung in Originalgröße zu gelangen) | Copyright: Jacob Bleacher/NASA

Greenbelt/ USA - Fließende Lava kann Pfade hinterlassen und graben, die Kanälen, wie sie von fließendem Wasser geformt werden, sehr ähnlich sind. Dieser Umstand könnte einige mäandernde Kanäle in der Marsoberfläche erklären, die bislang für einstige Flussläufe gehalten wurden.

Zu dieser Einschätzung kommen Wissenschaftler des "Goddard Space Flight Center" um Jacob Bleacher, die ihre Arbeit am 4. März auf der "41st Lunar and Planetary Science Conference" in Houston präsentiert haben.

Schon lange diskutieren Wissenschaftler kontrovers darüber, ob Wasser oder Lava für die markanten geologischen Merkmale auf dem Roten Planeten verantwortlich sind. Nicht zuletzt ist diese Frage auch für die angestrebte Suche nach einstigem oder sogar noch existierendem Leben auf dem Mars von großer Bedeutung.

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"Wenn wir wissen wollen, ob es jemals Leben, wie wir es kennen, auf dem Mars gegeben hat, müssen wir auch wissen, wo es Wasser gab und gibt", erläutert Bleacher die aktuellen Ergebnisse der Untersuchungen. Derzeit glauben Geologen, dass Wasser derzeit auf dem Mars nur in im Boden gebundener Form und als Eis an den Polen des Planeten zu finden ist. Einige Forscher glauben darüber hinaus, dass Wasser in der Vergangenheit auch in flüssiger Form an der Planetenoberfläche in nicht geringen Massen zu finden war - ein Umstand, der die Chance auf einstiges und sogar aktuell noch existierendes Leben erhöhen würde.

Zu den Indizien, welche die wässrige Vergangenheit zu belegen scheinen, zählen Aufnahmen der Marsoberfläche, die geologische Merkmale zeigen, wie sie Spuren von Erosion durch Wasser in flüssiger Form auf der Erde auf erstaunliche Weise gleichen: Terrassenartige Kanalwände, die Bildung kleiner Inselerhebungen im Innern der Kanäle, Abzweigende und zurückkehrende Arme und Flussdelta-artige Strukturen. "Alle diese Merkmale galten bislang als klare Beweise für Erosion durch fließendes Gewässer auf dem Mars", so Bleacher. Diese Einschätzung wurde bislang zudem durch die Ansicht bestärkt, dass flüssige und fließende Lava derartige Details nicht erzeugen könne.

In ihrer Studie haben sich Bleacher und seine Kollegen auf einen Mars-Kanal in der Region um den Vulkan Ascraeus Mons in der Marsregion Tharsis Montes konzentriert. Aus einer Kombination hochauflösender Aufnahmen unterschiedlicher Instrumente an Bord aktueller Marsmissionen gelang es den Forschern den Kanals über eine Distanz von 270 Kilometern Länge detailgenau abzubilden und zu studieren.

Satellitenaufnahme der vulkanisch geprägten Mars-Region Tharsis | Copyright: NASA/JPL

Da die Flüssigkeit, die diesen und andere Kanäle um Ascraeus Mons einst geformt hat, schon seit langer Zeit verschwunden ist, ist es schwer seinen Ursprung heute genau zu verifizieren. Alle bislang beobachteten Merkmale des Kanals deuteten jedoch stark daraufhin, dass fließendes Wasser den Kanal gegraben hatte.

Auf den Aufnahmen konnten die Forscher nun jedoch auch das bislang nur wenig detailgenau bekannte Ende des Kanals untersuchen und fanden hier Spuren, die so aussehen, als seien sie von einstiger Lava hinterlassen worden, wenn es an manchen Stellen den Eindruck hat, als sei der Kanal teilweise natürlich überdacht. Die Forscher glauben in diesen Details sogenannte Lavaröhren zu erkennen, wie sie entstehen, wenn sich die oberste Schicht eines Lavaflusses verfestigt, während das Innere weiterhin abfließt und schlussendlich die erkaltete Röhre zurücklässt (...wir berichteten). An anderen Stellen fanden die Forscher Öffnungen, die danach aussehen, als ob sich hier einst Lava den Weg an die Oberfläche gebahnt haben könnte. "Derartige Merkmale bilden sich nicht in von Wasser geformten Kanälen."

Dass ein Ende des Kanals von Wasser, das andere aber von Lava geformt worden sein könnte sei zwar möglich, jedoch eine sehr "exotische" Kombination, so Bleacher. Für ihn ist es stattdessen wahrscheinlicher, dass der gesamte Verlauf des Kanals von Lava gegraben wurde.

Gemeinsam mit seinen Kollegen W. Brent Garry und Jim Zimbelman vom "Smithsonian Institution" in Washington, hat Bleacher hinzu den 51-kilometer langen Lavafluss untersucht, der 1859 bei dem Ausbruch des Mauna Loa auf Hawaii entstand.

Besonderes Interesse legten die Forscher dabei auf ein rund ein Kilometer langes Mittelstück des Kanals. "Hier faden wir terrassenartige Innenseiten der Kanalwände, Seitenarme, die ausscheren und wieder zum Hauptkanal zurückkehren und Steilhänge von bis zu neun Metern Höhe. Hier haben wir also eine Struktur, die zweifelsohne von Lava geformt worden war und finden hier eine Vielzahl von Merkmalen, wie sie bislang nur als Spuren von Wasser auf dem Mars gedeutet wurden.", erklärt Bleacher.

"Die neuen Ergebnisse seien ein starkes Argument dafür, dass auch Lavaströme Kanäle erzeugen können, die jenen, wie sie von fließendem Wasser hinterlassen wurden, sehr ähnlich sind", fügt Zimbelman hinzu. "Wir sollten also nicht voreilig nur Wasser für Kanäle auf anderen Planeten verantwortlich machen. Ganz besonders nicht, wenn diese Kanäle sich in vulkanischen Regionen wie Tharsis Montes befinden."

Zusätzliche Bewiese dafür, dass derartige Strukturen auch von Lavaflüssen geformt werden konnten fanden die Forscher zudem beim Studium eines Kanals im Mare Imbrium, einen großen Krater des Erdmondes, der sich einst mit Lavagestein gefüllt hatte. Auch hier fanden die Forscher Merkmale, die bislang eigentlich einzig für Hinterlassenschaften von Wasser gedeutet wurden.

Die Schlussfolgerungen der Forscher werden sicherlich Auswirkungen auf derzeitige Vorstellungen über die Beteiligung von Wasser an der geologischen Evolution des Mars haben. Zugleich unterstreichen sie jedoch, dass ihre Ergebnisse weder die Möglichkeit von ehemals fließendem Wasser noch von durch Wasser gegrabenen Kanälen auf dem Mars ausschließe. "Allerdings konnten wir zeigen, dass flüssiges Gestein bislang als alternative Erklärung unterschätzt wurde."

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