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Mittwoch, 30. September 2009

Geisterstimme auf Video gebannt?

Standbild aus dem Video | Copyright: thesun.co.uk
Tunbridge Wells/ England - Beim Abspielen einer Videoaufnahme ihres acht Wochen alten Sohnes Mack, lief Sarah Mackessy ein kalter Schauer über den Rücken. Lauscht man der Aufnahme, so scheinen tatsächlich die geflüsterten Worte "I'm alive" (Ich lebe) zu hören sein. Handelt es sich bei der Aufnahme um ein Beispiel sogenannter Tonbandstimmen (EVP), wie sie von Parapsychologen Verstorbenen zugeordnet werden, oder lediglich um normale Geräusche, die wir lediglich als vermeintliche Flüsterstimme interpretieren?

Das Video entstand bei einem Familienausflug in den "Enchanted Forest", den Verzauberten Wald, einem Naturschutzgebiet in der südostenglischen Grafschaft Kent.

Wie Sarah Mackessy (36) gegenüber der britischen Zeitung "The Sun" berichtet, waren während der Aufnahme nur noch ihr Freund und zwei weitere Kinder in unmittelbarer Nähe, da der Park schon bald geschlossen werden sollte. "Die Stimme klingt gerade so, als sei sie direkt neben mir und ich finde sie ist sehr laut und deutlich. Mein Freund und die beiden anderen Kinder waren jedoch einige Meter von mir entfernt. Wir haben versucht, uns im Internet kundig zu machen, was es sein könnte, aber ich habe immer noch keine Idee. Vielleicht ist der Wald ja wirklich verwunschen?"


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Für die tatsächlich mühelos hör- und verstehbare "Flüsterstimme" finden Beobachter verschiedene Erklärungsmöglichkeiten: Neben der Vermutung einer eines simplen Schwindels, glauben Kritiker, die Kamera (wahrscheinlich eine Handykamera) könne eine reale Stimme sozusagen aus dem Äther aufgefangen oder aber Tondaten aus dem Mobiltelefon selbst mit den Videoaufnahmen vermischt haben.

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Eine andere natürliche Erklärung könnte sein, dass es sich gar nicht um eine wirkliche Stimme, sondern ein normales natürliches Geräusch, wie etwa einen Windstoß ins Mikrophon, handelt und dieses Geräusche lediglich durch bestimmte Umstände vom menschlichen Ohr bzw. Gehirn mit dem Sprachmuster des Satzes "I'm alive" assoziiert wird. Bei derartigen Wahrnehmungsphänomenen spricht man von Pareidolie. Dieses Phänomen beschreibt den Drang des menschlichen Gehirns, stets Muster in Sinneseindrücken zu suchen, selbst wenn es sich eigentlich um zufällige und chaotische Strukturen handelt, die mit der späteren Interpretation nichts zu tun haben. Bekannte Beispiele hierfür sind Wolken- oder Felsformationen, in denen etwa Gesichter, Tiere und Gegenstände erkannt werden (...wir berichteten). Auch für akustische Wahrnehmungen gibt es Vergleichbares, wenn wir beispielsweise ein anderes Wort verstehen als jenes, das eigentlich gesagt wurde oder in englischen Liedtextpassagen plötzlich vermeintlich deutsche Aussagen zu erkennen glauben (...wir berichteten).

Parapsychologen und Geisterforscher liefern hingegen auch eine weitaus exotischere Erklärungsmöglichkeit und vermuten, dass es sich um möglicherweise tatsächlich um eine Geisterstimme handeln könnte. Bei Untersuchungen von Spukerscheinungen zählt denn auch das Tonbandgerät schon lange zur Standardausrüstung der Geisterjäger, die auf zahlreichen Aufnahmen später ähnliche Stimmen zu erkennen glauben. Die Technik geht auf den schwedischen Kunstmaler und Opernsänger Friedrich Jürgenson zurück, der 1959 auf einer Tonbandaufnahme seltsame Stimmen, die ihn mit Namen ansprachen und Dinge sagten, die eigentlich nur er wissen konnte, feststellte. Fortan widmete er sich ganz der Erforschung der später als "Tonbandstimmen-Phänomen" oder "Electronic Voice Phenomenon" (EVP) bezeichneten "Geisterstimmen", die er im Jahre 1967 mit seinem Buch "Sprechfunk mit Verstorbenen" als "Stimmen aus dem Jenseits" publik machte.

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Einer der ersten, der auf Jürgensons Entdeckung aufmerksam wurde, war der lettische Autor Konstantin Raudive. Durch sein 1968 erschienenes Buch Unhörbares wird hörbar (engl. Titel: Breakthrough) wurden die Stimmen schließlich weltweit bekannt.

Jürgenson selbst war Zeit seines Lebens immer darum bemüht gewesen, das Phänomen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Er wandte sich dazu an Rundfunktechniker und machte Physiker und Psychologen auf sich aufmerksam. So ließ etwa das Parapsychologische Institut der Universität Freiburg unter der Leitung von Hans Bender in Zusammenarbeit mit Jürgenson in den Jahren 1964 und 1970 Untersuchungen des Stimmenphänomens durchführen, welche die Existenz des Phänomens zwar grundsätzlich bestätigen konnten, die jedoch nicht weitergeführt wurden, da die erzielten Ergebnisse den strengen Anforderungen der verwendeten Analyseverfahren nicht genügten. Weitere Untersuchungen in London Anfang der 1970er Jahre - diesmal zusammen mit Raudive - bestätigten ebenfalls die Existenz des Phänomens.

Aus heutiger Sicht stellt sich natürlich die Frage, wie aussagekräftig diese frühen Untersuchungen gewesen sein können. Wurden wirklich alle denkbaren Vorkehrungen getroffen, um "normale" Einflüsse auszuschließen?

Dessen ungeachtet blieb jedoch die Popularität des Phänomens bis heute ungebrochen. Die geheimnisvollen "Stimmen aus einer anderen Welt" haben nichts von ihrer Faszination verloren, zumal jeder, der ein wenig Geduld mitbringt, sie mit relativ einfachen technischen Mitteln selbst erhalten kann. Erforderlich ist dazu im Prinzip nichts weiter als ein funktionierendes Aufnahmegerät mit angeschlossenem Mikrofon. Dies muss kein Tonbandgerät sein, sondern kann auch ein Cassettenrecorder, MiniDisc-Recorder oder Computer mit Soundkarte sein. (Quelle: tonbandstimmen.de)

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Quellen. grenzwissenschaft-aktuell.de / thesun.co.uk / tonbandstimmen.de
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