Mittwoch, 14. April 2010

Forscher finden Hinweise auf flüssiges Wasser auf dem Mars

Abflussrinnen am Marskrater-Russell (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu weiteren Darstellungen dieses Bildes zu gelangen) | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Münster/ Deutschland - Schon länger ist bekannt, dass es auf dem Mars einst große Mengen flüssigen Oberflächenwassers gegeben haben muss. Heute ist dieses Wasser jedoch größtenteils verdunstet oder findet sich in Form von Eis an den Polen oder gebunden im Boden des Roten Planeten. Immer wieder gibt es jedoch Hinwiese darauf, dass flüssiges Wasser - wen auch nur für kurze Zeit - auch heute noch auf dem Mars existiert. Die neusten Hinweise hierauf haben Forscher der Universität Münster nun auf Aufnahmen der Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) gefunden.

Auf den hochauflösenden Aufnahmen der Bordkamera HiRISE fanden die Forscher um Dennis Reiss von der "Westfälischen Wilhelms-Universität Münster" merkwürdige Abflussrinnen an den Hängen von Sanddünen in einer kleinen Region um den Marskrater Russell. Diese Rinnen worden ganz offenkundig von etwas gezogen, was sich die Hänge hinunterbewegt hat.

Bereits zuvor hatten Forscher ähnliche Rinnen auch an anderen Orten auf dem Mars gefunden. Diese wurden jedoch möglicherweise nicht von Flüssigkeiten wie fließendem Wasser verursacht, sondern von verdunstendem Trockeneis (Kohlendioxid) unterhalb der Sandflächen, die so den darüber liegenden Sand selbst zum Abrutschen brachten und so die Rinnen formten (...wir berichteten 1, 2, 3).

Die meist kaum mehr als einen Meter breiten Rinnen am Russell-Krater unterschieden sich jedoch von den bislang entdeckten Rinnen deutlich. Sie entspringen meist in der Nähe des Höhepunkts der Dünen und merkwürdige dunkle Flecken in Ihrer direkten Umgebung konnten bislang noch nicht eindeutig erklärt werden.

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Zudem behalten die Rinnen ihre Breite mehr oder weniger durchgehend bei und werden nicht zum Ende hin deltaförmig breiter, wie dies bei abrutschendem Sand der Fall ist. Auch enden die Rinnen des Russell-Kraters plötzlich, in dem sie sich verjüngen und ohne, wie obig beschrieben, annähernd dreieckig auszulaufen - ganz so, als würde das sie bildende Material mehr und mehr vom Untergrund aufgenommen. Kommen sich zwei Abflüsse des Russell-Kraters zu nahe, werden sie an diesen Stellen breiter - auch dieses Verhalten spricht für eine abfließende Flüssigkeit und gegen abgleitendes Bodenmaterial.

Weitere Aufnahme der Rinnen am Russel-Krater (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu weiteren Darstellungen dieses Bildes zu gelangen) | Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Bei dem Vergleich von Aufnahmen, wie sie zu unterschiedlichen Zeiten gemacht wurden, wird zudem deutlich, dass einige der Rinnen während dieser Zeit länger geworden waren. "Was auch immer hier also die Hänge heruntergeflossen ist, tut dies auch heute noch. Es handelt sich also nicht um lang vergangene Phänomene, sondern dies geschah erst vor einigen Wochen!", merkt Phil Plait vom "Bad Astronomy"-Blog zur Arbeit der Münsteraner Forscher an.

"Auf der Grundlage der Morphologie dieser Kanäle, der Spektraldaten und der berechneten Oberflächentemperaturen können die Veränderungen am besten mit flüchtiger Schmelze kleiner Mengen von Wassereis erklärt werden, die dann kleine mit Sand vermengte Rinnsale auslösen", so die Forscher um Reiss in ihrer Ende März im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" veröffentlichten Studie.

Auch das Team um Reiss hebt hervor, dass es sich nur um Wasser handeln könne, dass für relativ kurze Zeit verflüssigt an die Marsoberfläche gelangt ist. Der Grund hierfür liegt in dem niedrigen Atmosphärendruck der Marsatmosphäre, unter dem Wasser selbst bei den niedrigen Temperaturen auf der Marsoberfläche schon nach kurzer Zeit wenn nicht gefriert dann verdampft.

Was jedoch das im Marsboden eigentlich in gefrorener Form vorkommende Wasser zum Auftauen gebracht haben könnte, bleibt weiterhin ein Rätsel. Eine andere Möglichkeit wären wasserführende Schichten oder heiße Quellen im Marsboden, die sich ihren Weg an die Oberfläche gebahnt haben, hier abflossen um nach kurzer Seit sowohl verdunstet, gefroren und wieder in den Sandboden versickert sein könnten.

Weitere Detailbeobachtungen und möglicher zukünftige Missionen zu den Rinnen am Russell-Krater könnten weitere Aufschlüsse über die rätselhaften Abflussrinnen geben.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / blogs.discovermagazine.com/badastronomy / agu.org / nasa.gov
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