Donnerstag, 27. Oktober 2011

Schwache Form von Plattentektonik einst auch auf der Venus

Die heutige Oberfläche der Venus erlaubt kaum einen Einblick in ihre Vergangenheit. Diese Aufnahme der Venussonde Magellan zeigt den Meteoritenkrater Cunitz und am Horizont den drei Kilometer hohen Vulkan Gula Mons zu erkennen. | Copyright: NASA/JPL

Berlin-Adlershof / Deutschland - Während auf der Erde die Bewegung der Kontinente bis heute für die Veränderung der Oberfläche sorgt, zeigt die Venus heute eine gänzlich regungslose Kruste. Dass dies allerdings nicht immer so war, haben nun deutsche Planetenforscher anhand von Modellberechnungen herausgefunden. Demnach war die Oberfläche der Venus in der Vergangenheit vermutlich besonders heiß und dadurch auch mobil.

"Mit unseren Berechnungen haben wir einen Blick in die Vergangenheit der Venus geworfen, als die Temperatur ihrer Oberfläche noch deutlich über dem heutigen Wert von 470 Grad Celsius lag. Dabei sind wir auf einen erstaunlichen Effekt gestoßen", sagt Lena Noack, Doktorandin am Institut für Planetenforschung am "Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt" (DLR, dlr.de). "Die Venuskruste bleibt bei solchen Temperaturen nicht starr, sondern kommt an einigen Stellen in Bewegung. Sie dehnt und streckt sich ohne zu zerbrechen, wie bei Schokolade, die im Sommer etwas weich wird." Im Fachmagazin "Icarus" haben die Wissenschaftler um Noack ihre Modellberechnung veröffentlicht.

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Die besonders hohen Temperaturen auf der Venus rührten von einem massiven Treibhauseffekt her, der sich später abschwächte. "Ein besonders starker Treibhauseffekt kann die Regungslosigkeit einer Planetenoberfläche überwinden. Wahrscheinlich ist genau das im Verlauf der Venusgeschichte geschehen", ergänzt die Planetenforscherin. Die teilweise Bewegung der Venuskruste erlaubte dem Venusinneren sogar, mehr Wärme nach außen in die Atmosphäre abzugeben. Es kam zur Kühlung des Venusmantels ähnlich der Kühlung des Erdinneren durch die Plattentektonik.

Die Bewegungen der Venuskruste liefen vermutlich extrem langsam ab. "In unseren Berechnungen erhielten wir meist nur eine Geschwindigkeit von wenigen Millimetern im Jahr", erzählt Prof. Dr. Doris Breuer, Leiterin der Abteilung Planetenphysik am DLR-Institut für Planetenforschung. "Die Platten unserer Erde schieben sich dagegen mit einigen Zentimetern im Jahr voran." Somit fanden die Planetenforscher zwischen der bisher bekannten Plattentektonik auf der Erde und der starren Kruste des Mars eine dritte Variante: "Wir verwenden dafür den Begriff lokale Mobilisierung, da die Venuskruste nur an einigen Stellen des Planeten und dazu sehr langsam von der darunterliegenden Schicht gezogen und geschoben wurde", erklärt Noack.

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