Freitag, 19. Dezember 2014

Vögel spüren Tornado-Sturmzellen schon 24 Stunden vorher - und fliehen


Ein mit einen Geolokator ausgestatteter Goldflügel-Waldsänger. | Copyright: Gunnar Kramer, berkeley.edu

Berkeley (USA) - Rein zufällig haben US-Forscher eine erstaunliche Beobachtung gemacht: Golfflügel-Waldsänger sind offenbar in der Lage, bevorstehende Tornado-Superzellen wahrzunehmen und fliehen aus den entsprechend betroffenen Gebieten schon 24 Stunden bevor der Sturm überhaupt eintrifft.

Eigentlich wollten die Wissenschaftler um Henry Streby of the University of California in Berkeley nur testen, ob die kleinen Singvögel das Gewicht von GPS-gestützten Geolokatoren auf ihren Rücken tragen können. Nachdem entsprechende Freiluftversuche geglückt waren, zeigte sich anhand der Aufzeichnungen dieser Geräte, dass die Vögel offenbar noch zu weit mehr in der Lage sind.


"Plötzlich verließen die Vögel ihre gewohnten Brutplätze in den Cumberland Mountains im östlichen Tennessee, an denen sie erst kurz zuvor angekommen waren. Danach legten die Vögel rund 1.500 Kilometer in 5 Tagen zurück", berichten die Forscher aktuell im Fachjournal "Current Biology" (DOI: 10.1016/j.cub.2014.10.079). Dadurch entgingen die Vögel im vergangenen Frühjahr einer Supersturmzelle, aus der nur einen Tag später 84 Tornados in der von den Tieren verlassenen Region ausgingen, die gewaltige Schäden anrichteten und 34 Menschen das Leben kostete.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Besonders merkwürdig war, dass die Vögel die Gegend schon lange vor der Ankunft des Sturms verlassen hatten", so Streby. "Als der Wetterdienst uns meldete, dass da ein Sturm in unsere Richtung zieht, hatten die Vögel ihre Koffer schon gepackt und das Gebiet evakuiert." Tatsächlich flohen die Vögel schon 24 Stunden vor der eigentlichen Ankunft der Superzelle.

Die Forscher vermuten nun, dass die Vögel den Sturm durch Infraschall wahrnehmen konnten, der mit schweren Stürmen einhergeht, für das menschliche Ohr aber für gewöhnlich nicht hörbar ist.


Zum Thema

"Schein seit einigen Jahrzehnten wissen Meteorologen und Physiker, dass Tornadostürme sehr starken Infraschall erzeugen, der dann tausende von Kilometern dem Sturm voraus eilen kann", so der Forscher weiter. "Im Gegensatz zu uns Menschen können die Vögel diesen Schall aber wahrnehmen."

Im kommenden Jahr wollen die Forscher noch mehr Zugvögel mit Geolokatoren ausstatten - eigentlich, um deren Flugrouten und Brutstätten genauer zu untersuchen. "Ich will nicht sagen, dass ich mir ein weiteres schweres Tornadoereignis wünsche, aber es wäre schon interessant zu sehen, wie auch diese Vögel auf ein solches oder ähnliche unvorhersehbare Hindernisse reagieren."


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Forscher ergründen Vorwahrnehmung von Erdbeben durch Amphibien 2. Dezember 2011 
Washingtoner Zoo veröffentlicht Bericht über das Verhalten der Zootiere vor dem Erdbeben 26. August 2011
Wissenschaftler bestätigen: Kröten sahen Erdbeben voraus 31. März 2010
Tiere spürten Haiti-Erdbeben zwei Stunden vorab 15. Januar 2010
Studie: Vollmond beeinflusst das Paarungsverhalten von Amphibien 16. Juli 2009
Kröten warnten vor China-Erdbeben 17. Mai 2008

grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE