Ökosystem Mars? | Copyright: NASA/ESAMoffett Field/ USA - Auch wenn bislang noch kein Leben auf dem Roten Planeten nachgewiesen werden konnte, stellen sich angesichts aktueller und geplanter Forschungsmissionen zum Mars auch ethische Fragen. Zahlreiche Wissenschaftler fordern schon jetzt einen mehr als behutsamen Umgang mit dem potentiellen Ökosystem Mars. Im kommenden Herbst soll auf einer Konferenz über diese Fragen diskutiert werden.
Hauptziel der Bemühungen ist es, eine Kontamination eines möglicherweise doch belebten Mars durch irdische Mikroben auf Instrumenten und Personal so weit wie möglich zu vermeiden.
Die Befürchtungen der Astrobiologen scheinen nicht übertrieben, schon vergangene Robotermissionen zum Mars, waren übersät mit Tausenden irdischer Bakterien. Auch wenn deren Mehrzahl an den Außenseiten der Sonden beim Eintritt in die Marsatmosphäre oder auf dessen Oberfläche durch die starke ultraviolette Strahlung schnell abgetötet wurden, könnten an abgeschirmten Stellen der Sonden überdauernde Mikroben überlebt haben und noch in Tausenden von Jahren wieder aktiv werden. Besonders, wenn Sonden, wie beispielsweise der Mars Polar Lander, der 1999 in der Südpolregion des Mars abgestürzt war, mit Wasserdurchtränktem und somit Leben unterstützendem Marsboden in Berührung kommen.
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"Eine Kontamination des Mars durch die Menschheit gänzlich auszuschließen, ist schon lange keine Option mehr. Es ist eine Tatsache, dass es auf dem Mars gib es bereits Erdlinge gibt.", bemerkt Christopher McKay vom Ames Research Center (ARC) der NASA in einem Kommentar im Wissenschaftsmagazin "Science".
Selbst wenn dieses irdische Leben derzeit auf dem Mars keine fruchtbaren Umweltbedingungen vorfindet, könnte es in Tausenden von Jahren, unter dann sich veränderten klimatischen Bedingungen zu neuem Leben erwachen. Gerade Sonden, die mit Grabschaufeln und Bohrköpfen tief im Marsboden nach Mikroben suchen, laufen Gefahr, genau damit die Saat irdischen Lebens auf dem Mars zu platzieren - und das ideal geschützt vor den derzeit widrigen Umweltbedingungen.
Tatsächlich ist die Diskussion jedoch nicht neu. Schon 1967 verabschiedeten die Vereinten Nationen im "Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper“ (Weltraumvertrag) unter Paragraf IX einen Beschluss zur Vermeidung gefährlicher Kontamination von fremden (außerirdischen) Himmelskörpern. Noch heute wird die Einhaltung dieser Ziele durch den Pariser "Council on Space Research" (COSPAR), der die UN berät, kontrolliert und die erlaubte Anzahl irdischer Mikroben an Bord von Raumsonden reglementiert. Als Folge wurde beispielsweise der Roboterarm der Phoenix-Sonde der NASA sterilisiert und bis zu seinem Einsatz auf dem Mars versiegelt verpackt.
Dennoch fordern zahlreiche Wissenschaftler eine Überarbeitung der COSPAR-Standards, da diese ursprünglich alleine im Interesse wissenschaftlicher Untersuchungen und nicht im Sinne des Schutzes möglichen Lebens auf dem zu erforschenden Himmelskörper ausgelegt worden waren. Zukünftig solle gesichert werden, dass jegliche biologische Kontamination durch ein irdisches Raumfahrzeug oder dessen Besatzung auch wieder rückgängig gemacht werden könne.
Kritiker befürchten, dass derartige Regelungen dann jedoch zu einem Verbot bemannter Marsmissionen führen könnten, um ein "Kaninchenproblem" durch eingeschleppte Mikroben auf dem Mars zu verhindern.
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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / astrobiology.arc.nasa.gov / newscientist.com
