https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de


Mittwoch, 17. Februar 2010

DNA-Analyse: Forscher identifizieren Eltern Tutanchamuns

Darstellung des Tutanchamun auf einem Streitwagen | Copyright: Public Domain

Tübingen/ Deutschland - Seit der Entdeckung der legendären Grabkammer des Pharaos Tutanchamun im Jahre 1922 fasziniert dessen Mythos nicht nur Laien sondern auch die Fachwelt. Von wem der schon mit 19. Jahren verstorbene Pharao jedoch abstammte, war bislang unklar. Die Frage nach der Identität der Eltern des Tutanchamun hat nun ein Forscherteam aus Deutschland, Südtirol und Ägypten mittels einer DNA-Analyse beantwortet.

In einem mit Unterstützung der ägyptischen Altertumsverwaltung unter Zahi Hawass und des "Discovery Channel" extra für die Untersuchungen in Kairo eingerichteten Labor haben die Forscher unter der wissenschaftlichen Leitung von Albert Zink, Anthropologe an der "Europäischen Akademie Bozen" (EURAC) und Carsten Pusch, Humangenetiker an der "Eberhard Karls Universität Tübingen", zwei Jahre lang mit modernsten Methoden und Techniken genetische Untersuchungen an 16 Mumien durchgeführt.

Als Vater von Tutanchamun weisen die nun vorliegenden Ergebnisse des nicht weniger bekannten Pharao Echnaton aus. Seine Mutter war die so genannte "Younger Lady", deren Mumie im Grab KV35 zusammen mit einer weiteren älteren weiblichen Mumie gefunden wurde. Ob es sich bei der "Jüngeren Dame" um die berühmte Nofretete handelt, analysieren die Mumienforscher derzeit noch. Die bisherigen Ergebnisse haben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +


Bei den Untersuchungen konnten erstmalig ausgedehnte genetische, forensische und radiologische Untersuchungen an Tutanchamun und 15 weiteren Mumien des Neuen Reichs durchgeführt werden. "Wir haben hier eine vollkommen neue Dimension der molekularen und medizinischen Ägyptologie beschritten", erklärt Albert Zink, der an der "Europäischen Akademie Bozen" das weltweit erste Institut für Mumienforschung leitet.

Schon 2007 hatte das zehnköpfige Team aus Wissenschaftlern damit begonnen, von elf Mumien aus der Verwandtschaft Tutanchamuns und von fünf weiteren Mumien Gewebeproben aus dem Knocheninnern zu entnehmen. In zweijähriger Arbeit haben die Mumienforscher die DNA extrahiert und genetische Fingerabdrücke für alle 16 Mumien erstellt.

Anhand der genetischen Fingerabdrücke konnten die Forscher einen Fünf-Generationen-Stammbaum der Familie Tutanchamuns erstellen, berichtet die Pressemitteilung der Universität Tübingen (uni-tuebingen.de). Zudem ist man der Todesursache des berühmten Pharaos ein Stück weit näher gekommen: In Tutanchamun konnten unter Mithilfe des Bozner Radiologen Paul Gostner mehrere Erkrankungen diagnostiziert werden. Darunter eine Knochennekrose am linken Fuß, die zur mangelnden Blutversorgung des Knochens und zum Knochenabbau führte: "Diese Erkrankung allein hat mit Sicherheit nicht zum Tod geführt, aber sie hat ihn in seiner Mobilität stark eingeschränkt", erklärt Albert Zink. "Es erklärt wohl auch, warum man in seinem Grab zahlreiche Gehstöcke gefunden hat."

Lebensbedrohlicher war jedoch die zweite identifizierte Erkrankung: "Tutanchamun hat an der schwersten Form von Malaria, der Malaria tropica, gelitten", so Carsten Pusch. "Dies könnte zusammen mit der Knochennekrose zum Tod geführt haben." Verschiedene Pflanzenreste, die in seinem Grab gefunden wurden, unterstützen die Malaria-Diagnose, da sie teilweise noch heute für ihre fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkung bekannt sind.

Die Wissenschaftler haben ihre Studie in einer der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften, dem "Journal of the American Medical Association" (JAMA) publiziert. Sie erscheint dort am 17. Februar 2010.

+ + + WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA + + +

Neues unbekanntes Grab in Tal der Könige entdeckt

12. März 2008
Das Gesicht des Tutanchamun
5. November 2007
Zahi Hawass dementiert heftig: "Tutanchamun war nicht schwarz!"
29. September 2007

Bücher zum Thema:


- - -

Quellen: uni-tuebingen.de / grenzwissenschaft-aktuell.dea
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE