Montag, 21. Dezember 2009

Leinenfund in Jerusalem: Experten üben Kritik an Vergleich mit Turiner Grabtuch

Blick auf die Altstadt von Jerusalem | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Jerusalem/ Israel - Leinenfragmente, wie sie kürzlich in einem Grab aus dem 1. Jahrhundert ind er Altstadt von Jerusalem gefunden wurden und deren Vergleich mit dem immer wieder kontrovers diskutierten "Grabtuch von Turin", auf dem das mysteriöse erschienenen Abbild des gekreuzigten zu sehen sein soll, stoßen bei Experten zum Turiner Grabtuch auf Kritik: Die Schlussfolgerung der Forscher, dass aufgrund der Unterschiede das Turiner Grabtuch nicht aus der zeit Christi stammen könne und deshalb wahrscheinlich eine spätere Fälschung sei, sei unbegründet.

Zuvor hatte einer Forscherteam an der israelischen "Hebrew University" um Prof. Mark Spigelman und Prof. Charles Greenblatt zum aktuellen Fund der Leinenfragmente erklärt, dass deutliche Unterschiede in deren einfacher Webart im Vergleich zur komplexen Struktur des Turiner Grabtuchs nahe legen würden, dass das Turiner Leinen weder aus der Zeit Jesu stamme (...wir berichteten). Derartige Verlautbarungen stoßen bei Grabtuchexperten auf Kritik und Unverständnis.

Tatsächlich, so erklärt der Grabtuchforscher Barrie Schwortz (shroud.com) gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de", handele es sich grundsätzlich noch nicht einmal um eine neue Information, sondern werde kurz vor der erneuten öffentlichen Ausstellung des Turiner Grabtuchs 2010 nur wieder entstaubt um medial Interesse hervorzurufen.

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"Das Jerusalemer Tuch bestehe aus Wolle, die mit Leinen vermengt wurde und in unterschiedlichen Fragmenten gefunden wurde. Es war also ein wesentlich günstigeres Gewebe, wie jenes, welches von Josef von Armathäa für Jesus zur Verfügung gestellt worden war, welches aus reinem Leinen bestand", so Schwortz.

Nur weil ein anderer Fund aus dem 1. Jahrhundert anderer Webart als jener des Turiner Grabtuchs existiert, besage dies noch gar nichts. "Es zeigt lediglich, dass für jüdische Begräbnisse im 1. Jahrhundert mehr als eine Art von Grabtuch verwendet wurden."

Die Mishna (die wichtigste Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferungen des rabbinischen Judentums und Grundlage des Talmud) besage zudem, dass Juden in 'reinen Leinengewändern' zu beerdigen sind. "Dennoch erlaubte das jüdische Gesetz auch die Verwendung von Mischgewebe, so lange Leinen Bestandteil des Stoffes war. Da wir derzeit kaum etwas über den Mann wissen, der im Jerusalemer Stoff aus Leinen und Wolle beerdigt wurde, können wir auch kaum etwas über die Umstände seines Todes und seiner Beisetzung sagen."

Die Schlussfolgerung der Forscher um Spigelman und Greenblatt, bei dem aktuellen Fund handele es sich um ein gewichtiges Argument gegen die Authentizität des Turiner Grabtuchs, vergleicht Schwortz mit der Annahme, heutzutage wurde alle Menschen in identischen Särgen beerdigt. "Dem ist natürlich nicht so und das gleiche gilt auch für das 1. Jahrhundert und die damals verwendeten Grabtücher."

Die Vorderseite des Turiner Grabtuches im Negativ | Copyright/Quelle: shroud.com

Bei den aktuellen Schlussfolgerungen der Wissenschaftler handele es sich um ein "Paradebeispiel dafür, dass jemand ein einziges Stück einer nicht relevanten Information nimmt und diese zu einem Angriff gegen das Turiner Grabtuch hochspielt." Ausführlich werde er sich wahrscheinlich jedoch erst im kommenden Jahr auf seiner Seite (shroud.com) zum Jerusalemer Grabtuch äußern. Bis zur öffentlichen Ausstellung des Turiner Grabtuchs erwartet Schwortz noch einige derartiger Aussagen und Medienberichte.

Auch der deutsche Historiker Michael Hesemann (paulusjahr.info) hält nicht viel von den Schlussfolgerungen zum Jerusalemer Grabtuch und dessen Auslegung gegen die Authentizität des Grabtuchs von Turin: "Man kann Äpfel und Birnen nicht vergleichen und so auch nicht die Leinenbinden aus dem Hakeldama-Grab mit dem Turiner Grabtuch.

Natürlich sah die endgültige Bestattung vor, den Toten in Leinenbinden einzuwickeln und sein Gesicht mit einem feineren Tuch zu bedecken. Aber die Bestattung Jesu war ja zunächst provisorisch, denn es blieb weniger als eine Stunde bis zum Anbruch des Shabbats. Daher kehrten die Frauen ja auch am Sonntag morgen an das Grab zurück, um das Werk zu vollenden.

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Das große Grabtuch (sindon) wird von den Synoptikern ausdrücklich erwähnt. Es diente einer provisorischen Bestattung. Dass es von wertvollerer Webart war, als die Leinenbinden des Mannes vom Hakeldama-Grab ist auch erklärbar, ähnlich wie die gewaltige Menge von Aloe und Myrrhe (35 kg!), die Nikodemus kaufte - Jesus sollte von seinen beiden reichen Anhängern, Joseph vonm Arimathäa und Nikodemus, wie ein König bestattet werden, denn für sie war er der Messias.

Trotzdem ist ein Aspekt relevant: Einige der Hakaldama-Leinen waren in einem Z-Muster gewebt, wie das Grabtuch. Bislang hieß es, im 1. Jahrhundert sei das S-Muster in Judäa die mit Abstand häufigere Variante, und bei Masada und Qumran-Funden war das auch der Fall. Nun zeigt sich aber, dass deren Leinen in lokalen Webereien entstand - in Jerusalem, im Hakeldama-Grab etwa, war das Verhältnis exakt 50:50."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / shroud.com / paulusjahr.info
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