Donnerstag, 21. Januar 2010

England: Ehem. Verteidigungsminister relativiert Bedeutung der britischen UFO-Akten

Der ehem. britische Verteidigungsminister Desmond (Des) Browne | Copyright: Public Domain

London/ England - In einem fünfseitigen ehemals internen Schreiben von 2007 zur Veröffentlichung der ehemaligen UFO-Akten des britischen Verteidigungsministerium (Ministry of Defence, MoD), kommentiert der ehemalige Verteidigungsminister Des Browne das Interesse des MoD an UFO-Sichtungen und relativiert darin deren Bedeutung für die Sicherheit und Verteidigung des Vereinigten Königreichs.

"Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte es zu den Aufgaben des MoD, UFO-Meldungen zu dokumentieren und von Zeit zu Zeit auch zu untersuchen. Im Gegensatz zu der in der Öffentlichkeit weit verbreiteten Vorstellung, hat das MoD jedoch kein Interesse an der Frage nach außerirdischen Lebensformen, die das Königreich besuchen, sondern lediglich daran, die Integrität und Sicherheit des britischen Luftraums zu gewährleisten", zitiert der mit der Veröffentlichung der britischen UFO-Akten betraute Historiker Dr. Dave Clarke von der "Sheffield Hallam University" in seinem Blog (drdavidclarke.blogspot.com) aus dem Schreiben.

Weiterführend erkläre Desmond Henry Browne (Secretary of State for Defence von Mai 2006 bis Oktober 2008), dass die britischen UFO-Akten keinerlei für Verteidigungsfragen relevante Inhalte aufweisen. Diese seien lediglich für die "weltweite große Gruppe von Amateur- und professionellen 'UFOlogen'" interessant, die seit 2005 das MoD im Rahmen des Gesetzes zur Informationsfreiheit (Freedom of Information Act, FOI) mit einer Vielzahl komplexer Anfragen regelrecht "bombardiert" hätten.

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Die Bearbeitung dieser Anfragen, so zeichnete sich offenbar schon 2007 ab, sei zu einer "zunehmend zeit- und kostenverschlingenden Angelegenheit" geworden, "besonders dann, wenn die Antworten des MoD von den UFO-Forschern in Frage gestellt wurden". Zudem habe die bisherige "bruchstückhafte Veröffentlichung der Informationen wenig hilfreiche Spekulationen bei jenen erzeugt, die glauben, dass das MoD in dieser Angelegenheit etwas verbergen wolle."

Browne sei sch darüber im Klaren gewesen, dass die Abwesenheit von eindeutigen Beweisen oder Gegenbeweisen für die Existenz von Aliens die britischen UFO-Akten selbst weniger interessant mache, als die "das UFO-Phänomen umgebende 'Industrie'" dies wahrhaben wolle.

Erneut unterstreicht auch Clark, dass die Veröffentlichung der britischen UFO-Akten (...wir berichteten) vorrangig dazu diente, zum einen das offenkundig große öffentliche Interesse an diesen Akten zu bedienen und zum anderen die mit der Bearbeitung dieser Akten beauftragten Beamten für "wichtigere Angelegenheiten" zu entlasten.

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"Die Mehrheit der (UFO-)Akten beinhalten niedrige Geheimhaltungsstufen, jedoch zugleich Verweise auf Angelegenheiten der Luftverteidigung, Verteidigungstechnologien, Beziehungen zu fremden Mächten (i.S.v. Staaten) und hier und da unhöfliche Kommentare etwa von Mitgliedern der Polizei gegenüber Mitbürgern, wie sie in Übereinstimmung mit den geltenden Prinzipien des FOI zurückgehalten (Anm. d. Red.: also zensiert) werden sollten. Besonders die Anfragen in UFO-Angelegenheiten vor dem Parlament (Parliamentary Questions, PQ) bedürfen besonders sorgfältiger Bearbeitung vor ihrer Veröffentlichung, da sie Hintergrundnotizen für die Minister beinhalten. Grundsätzlich gibt es (danach) aber im Prinzip keinen Grund, die Akten nicht zu veröffentlichen."

Abschließend schlage das Dokument vor, dass das "MoD seine Politik fortführen solle, (die den UFO-Akten beigemessene Bedeutung) weiterhin herunterzuspielen", da man das Risiko vorhersah, die Medien könnten die Akten im Gegenzug hochspielen.

Schon in Kürze, so erklärt Clarke, werde auch dieses Dokument als Originalkopie online zur Verfügung stehen.

Hintergrund:
UFOs und die britische Luftsicherheit


Tatsächlich steht die Einschätzung der Brisanz der britischen UFO-Akten, laut derer sich mit Wissen des MoD noch kein UFO-Ereignis die Sicherheit des Königreiches gefährdet habe, im Gegensatz zu Erfahrungen und Einschätzung zahlreicher dem MoD unterstellten Beamten und Militärangehörigen.


An ein Beispiel von vielen, weiß sich beispielsweise der Oberstleutnant der Royal Air Force Alan Turner (Mitglied des Ordens des Britischen Empire, MBE) zu erinnern und berichtete gegenüber dem UFO-Forscher Philip Mantle ausführlich von der militärischen Radarortung einer ganzen "UFO-Flotte" von der Radarstation der Royal Air Force in Sopley aus im Sommer 1971 (...wir berichteten).

In seinem Bericht erinnert sich Turner an das Ereignis wie folgt (Auszüge):

"Mit dem (FPS 6 Height Finder)-Höhenmessgerät erkannte ich, dass diese Echos auf rund 3000 Fuß (914 m) Höhe auf dem Radar erschienen waren und extrem schnell an Höhe gewannen, sodass die zum Zeitpunkt ihres Verschwindens eine Höhe von etwa 60.000 Fuß (18.288 m) erreicht hatten. Innerhalb von nur 40 Meilen auf eine solche Höhe aufzusteigen, lag zur damaligen Zeit jenseits der Möglichkeiten eines jeden Kriegsflugzeugs.

Wing Commander (RAF) Alan Turner | Alan Turner

Das Phänomen wurde zugleich von vier zivilen und sechs militärischen Kontrolleuren im Dienst beobachtet. Als ich beim Radar des Flughafens von Heathrow anrief, erfuhr ich, dass auch hier die gleiche Situation beobachtet wurde. Zugleich wurde das Bild auch von der Radarüberwachung der RAF-Basis Neatishead bestätigt. Alle drei involvierten Radarstationen operierten auf unterschiedliche Frequenzen und unabhängig voneinander."

(...)

"Ich kann immer noch nicht erklären, was ich damals gemeinsam mit vielen anderen Personen gesehen habe. Zu der damaligen Zeit konnten Flugzeuge nicht mit einer derartigen Geschwindigkeit aufsteigen. Auch der Umstand, dass die Erscheinung von drei unterschiedlichen (und unabhängigen) Radaranlagen und hinzu vom dem Radar der Canberra geortet wurde, macht die Situation umso mysteriöser. Die Wetterverhältnisse waren ebenso eindeutig, wie die Sichtverhältnisse. Das Flugzeug (Canberra) bewegte sich in einer bis auf 300 Meter Höhe wolkenfreien Umgebung und mit einer mindestens bis auf fünf nautische Meilen (ca. 9,26 km) freien Voraussicht."

Hinzu behauptet der ehemalige zivile Leiter des UFO-Büros des MoD, Nick Pope, dass es in Großbritannien offizielle Befehle zum Abschuss von UFOs gegeben habe: "Wir wissen von glaubwürdigen Fällen, in welchen es eine direkte Order gab [das unidentifizierte Flugobjekt] abzuschießen, ohne dass dies jedoch eine Auswirkung auf das UFO hatte" (...wir berichteten).

Vor dem Hintergrund dieser und zahlreicher anderer Vorfälle, wie sie sich teilweise auch in den britischen UFO-Akten finden lassen, erscheint die Einschätzung Desmond Brownes für so manchen Beobachter in zumindest zweifelhaftem Licht. Während die einen schlicht über Unwissen bis hin zu Inkompetenz des Verteidigungsministers in der UFO-Frage spekulieren, sehen andere in den Aussagen des Dokuments einen weiteren Beleg für die von Brownes selbst zitierte offizielle Sprachregelung und Politik des MoD in Sachen UFOs, wenn er vorschlägt auch in Zukunft das Interesse des MoD in dieser Frage in der Öffentlichkeit "herunterzuspielen"...

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / drdavidclarke.blogspot.com


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