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Mittwoch, 12. Mai 2010

Asphaltsee birgt Hinweise auf mögliches Leben auf Saturnmond Titan

Blick auf den Pitch | Copyright: Pitch Lake Research Group

Vancouver/ Kanada - Der Pitch Lake im Südwesten der Karibikinsel Trinidad ist der größte natürliche Asphaltsee auf der Erde. In seinem Innern sind kanadische Forscher nun auf mikrobiologisches Leben gestoßen, ein Umstand der auch Schlussfolgerungen über mögliches Leben auf dem Saturnmond Titan zulässt, kommt der Pitch Lake den Bedingungen in den Methan-Ethan-Seen auf der Oberfläche des Titan doch näher als alle anderen Orte auf unserem Planeten.

Der Pitch Lake bedeckt eine Fläche von rund 40 Hektar innerhalb der geschätzte 10 Millionen Tonnen flüssigem Asphalt vor sich hinbrodeln, wenn Kohlenstoffdioxid- und Kohlenwasserstoffgase aus der Tiefe heraufsteigen. Kein Ort, an dem man für gewöhnlich Leben vermuten würde.

Wie die Forscher um den Ökologen Steven Hallam von der "University of British Columbia" und den Astrobiologen Dirk Schulze-Makuch, von der "Washington State University" im Fachmagazin "Astrobiology" berichten, fanden sie alleine in einem Gramm des klebrigen Bitumens bis zu 10 Millionen Mikroben, darunter auch Bakterien und einzellige Archaeen. Bei Temperaturen zwischen 32 und 56 Grad Celsius ernähren sich diese Lebensformen offenbar von Kohlenwasserstoffen und statt Sauerstoff atmen die Mikroben hier mit Hilfe von Metallen wie Eisen oder Mangan.

Gasblase im Pitch Lake | Copyright: Pitch Lake Research Group

Jede Probe enthielt ganz eigene mikrobiologische Populationen. Die meisten der gefundenen Bakterien sind mit Bakterien verwandt, wie sie schon zuvor in sauerstoffarmen Sedimenten, Methangruben und Öllagern gefunden worden waren. "Einige Archaeen unterscheiden sich jedoch derart von bereits bekannten Formen, dass sie als gänzlich neue Stämme bezeichnet werden können", zitiert das "Astrobiology-Magazine" der NASA (astrobio.net) Steven Hallam.

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Da der Wasseranteil im Asphaltsee sehr gering ist, glauben die Forscher, dass die Mikroben von wässrigen Taschen im Asphalt abhängig sind - ähnlich, wie Forscher dies auch schon in gefrorenen Seen und Gletschern im antarktischen Trockental McMurdo entdeckt haben. Die Tatsache, dass beispielsweise das Darmbakterium Escherichia coli (E. coli) sein eigenes Wasser erzeugen kann und das lebendige Pilze sogar in Kerosin entdeckt wurden, wo sie Wasser aus leichten Kohlenwasserstoffen extrahieren, könnte darauf hinweisen, wie Leben selbst in wasserarmen Umgebungen möglich ist.

Mit Ausnahme der eisigen Temperaturen auf Titan, stellen die Umweltbedingungen im Pitch Lake das den Bedingungen auf dem Saturnmond ähnlichste Ökosystem auf der Erde dar. Die Entdeckung eines derart breiten Spektrums von Mikroben in dem irdischen Asphaltsee erhöht - zumindest hypothetisch - auch die Wahrscheinlichkeit, dass es auch in den Kohlenwasserstoffseen auf der Titanoberfläche Leben geben könnte. Zudem könnten einige der Seen aus flüssigem Methan und Ethan auf dem Saturnmond durch tiefergelegene Wärmequellen erwärmt werden und durch solare Röntgenstrahlung sowie die nachgewiesene elektrische Aktivität in der Atmosphäre des Mondes steigt - so legen es zumindest Laborexperimente in den 1950er Jahren nahe (Miller-Urey-Experiment) - auch die Wahrscheinlichkeit der Entstehung organischer Moleküle und damit der Grundvoraussetzung für Leben, wie wir es auf der Erde kennen.

Probe aus dem Pitch Lake Asphaltsee auf Trinidad | Copyright: Public Domain

Zukünftige Untersuchungen der Mikroben und ihrer Fähigkeit im Pitch Lake zu überleben, soll den Forschern also auch Einblicke in die Anpassungsfähigkeiten von möglichem außerirdischem Leben auf Titan ermöglichen.

"Sollten wir auf Titan tatsächlich Leben finden, wäre dies besonders faszinierend, da sich dieses Leben auf einer anderen Grundlage entwickelt hätte, wie jenes auf der Erde. Wir könnten davon sehr viel über die Vielfalt des Lebens und auch über die Wahrscheinlichkeiten lernen, auch außerhalb unseres Sonnensystems darauf zu stoßen", so Schulze-Makuch.

Aus ihren Untersuchungen erhoffen sich die Forscher nicht nur Hinweise auf die Formen möglichen außerirdischen Lebens sondern auch darüber, wie dieses auf fremden Himmelskörpern noch effektiver und genauer gesucht werden kann.

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Quellen: astrobio.net / grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
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