Samstag, 10. Dezember 2011

Arbeiter finden historisches "Hexenhaus" in Nordengland

Blick auf den Eingang des "Hexenhauses" von Barley | Copyright/Quelle: nparchaeology.co.uk

Barley/ England - Der Pendle Hill, eine Anhöhe in der nordenglischen Grafschaft Lancashire gilt von jeher in der lokalen Folklore als unheimlicher Ort und wird mit Hexen, Zauber und bis heute mit allerlei Übersinnlichem in Verbindung gebracht. Der Fund einer "Hexenhütte" aus dem 17. Jahrhundert scheint nun die alten Sagen und Legenden nun zu bestätigen.

Bei Bauarbeiten sind Arbeiter außerhalb des im Schatten des Pendle Hill gelegenen Dörfchens Barley auf die Überresten eines Cottages aus dem 17. Jahrhundert gestoßen, die bislang von einem mit Gras bewachsenen Schutthügel bedeckt waren.

In den Mauern stießen die hinzugerufenen Archäologen dann auch auf einen versiegelten Raum, in dessen Wand eingemauert, die mumifizierten Überreste einer Katze entdeckt wurden. Entsprechendes Brauchtum ist aus der europäischen Folklore vielerorts bekannt, sollten die, meist bei lebendigem Leibe eingemauerten Tiere das Haus doch vor Bösen Mächten und Zauber schützen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Es passiert nicht oft, dass man auf ein märchenhaftes Hexenhaus mitsamt Katze stößt. Das Gebäude ist in erstaunlich gutem Zustand. Man kann sich darin bewegen und bekommt einen wirklichen Eindruck der Vergangenheit", kommentiert der Projektleiter der Arbeiten Carl Sanders von United Utilities (unitedutilities.com) den Fund.

"So etwas findet man nicht alle Tage", zeigt sich auch der Archäologe Frank Giecco, von "NP Archäology" (nparchaeology.co.uk) von der Entdeckung begeistert. "Das Gebäude stellt einen Mikrokosmos der Blühte und des Zusammenbruchs jener Ära dar, in der die Legenden um die Hexen vom Pendle Hill bzw. Pendle Forest entstanden und die mit der Industrialisierung zusehends ihr Ende nahm. Direkt vor unseren Augen offenbaren sich hier gleich mehrere historische Ebenen."

Insgesamt wurde das "Hexenhaus" wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte lang benutzt. Die Experten vermuten, dass etwa die Katze erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingemauert wurde und danach die Türen zu dem Raum zu einer Art Mausoleum versiegelt wurden. Das unheimliche Häuschen beinhaltet auch eine Feuerstelle und Küche, die sich ebenfalls noch am Originalort befindet und in der zahlreiche Gegenstände, wie beispielsweise viktorianisches Geschirr und eine Zinnwanne befand. In einem weiteren Rum fanden die Archäologen zudem ein altes Bettgestell.

Blick auf den Pendle Hill | Copyright: Dr. Greg, cc-by-sa 3.0

Die Archäologen und lokale Historiker vermuten, dass es sich hier um den einstigen Wohnort einer der legendären angeblichen Hexen vom Pendle Forest gehandelt haben könnte. Im August 1612 wurden 12 Personen gemeinsam mit "Hexen" aus anderen Landesteilen auf Lancaster Castle der Prozess wegen Hexerei gemacht. Zehn der Angeklagten wurden für schuldig befunden und gehängt. Spätesten seit diesen Vorgängen und ihrer Verbreitung vornehmlich durch Thomas Potts Werk "The Wonderful Discovery of Witches in the County of Lancaster" von 1613 haftet der Gegend rund um den Pendle Hill die Aura des Unheimlichen und Übersinnlichen an.

Der Fund kam also dem 400. Jahrestag der Prozesse um den Hexenprozess nur um wenige Monate zuvor, zudem den angeblichen Hexen im nahe gelegenen Roughlee ein Denkmal errichtet werden soll. "Es könnte sich sogar um den in den Prozessen erwähnten 'Malkin Tower' handeln, jenem Gebäude also, in dem 'Hexen' ihre Zusammenkünfte zelebriert haben sollen. Der Fund ist von großer historischer Bedeutung und Vergleichbar mit der Entdeckung der Grabkammer des Tutanchamun", zitiert die BBC den Experten für die Hexen von Pendle Hill, Simon Entwistle. Außer der eingemauerten Katze gibt es bislang jedoch noch keinen direkten Hinweise darauf, dass das nun entdeckte Haus tatsächlich mit den angeblichen Hexen von Pendle Hill in Verbindung steht - schließlich wurde derart grausames Brauchtum auch von der Normalbevölkerung praktiziert, um vor Hexen und Zauber zu schützen.

Erst im Frühjahr 2009 entdeckte Richard Parson bei Renovierungsarbeiten seines 400 Jahre alten Hauses in Urborough nahe Plymouth in der südenglischen Grafschaft Devons eine in die Wand des jetzigen Badezimmers eingemauert Katzenmumie, von deren Einmauern bei lebendigem Leib die lokale Folklore noch bis heute zu berichten wusste (...wir berichteten).

- Informationen über die Geschichte der Hexenverfolgung in Lancashire finden Sie HIER

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

"Hexengrab" in Italien belegt grausames Ritual
28. September 2011
Hexen und Aberglaube: Freilichtmuseum Detmold begeht 2013 "verflixtes" Themenjahr
14. Oktober 2011
Archäologen finden "Wiedergänger-Skelette" in Irland
22. September 2011
Bestattung in Bauchlage galt als Herabsetzung der Toten
27. Juni 2009
Historisches Vampirgrab in Venedig entdeckt
9. März 2009
Historische Hexenflasche in Staffordshire entdeckt

6. Oktober 2009
Bestattung in Bauchlage galt als Herabsetzung der Toten
27. Juni 2009
Inhalt historischer "Hexenflasche" erstmals analysiert
5. Juni 2009
Aberglaube: Mumifizierte Katze sollte einst vor Hexen schützen
22. April 2009

Bücher zum Thema:


- - -


Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / unitedutilities.com / bbc.co.uk / pendlewitches.co.uk
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE