Donnerstag, 26. Januar 2012

Auf Asteroid Vesta könnte es Wasser geben

Der Südpol des Asteroiden Vesta, aufgenommen im September 2011 von der Sonde Dawn. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Greenbelt/ USA - Noch vor wenigen Jahren teilte sich der Asteroid Vesta, der drittgrößte Körper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, mit dem Erdenmond das wissenschaftliche Bild eines staubtrockenen Himmelskörpers. Während auf dem Mond mittlerweile umfangreiche Wassermengen in Form von Eis im Mondboden oder am Grunde immerdunkler Krater nachgewiesen wurde, gilt Vesta weiterhin als trockene Ödnis. Ein neues Modell der durchschnittlichen Oberflächentemperaturen des Asteroiden zeichnet nun jedoch auch ein neues Bild von Vesta und hält auch hier Wasser in Form von Eis und gebunden im Oberflächenuntergrund des Asteroiden für möglich.

Wie die Forscher um Timothy Stubbs vom Goddard Space Flight Center der NASA und Yongli Wang vom Goddard Planetary Heliophysics Institute an der University of Maryland im Fachmagazin "Icarus" berichten, könnte etwa die Hälfte der Oberfläche des Asteroiden, von dem Wissenschaftler glauben, dass es sich um einen sogenannten Protoplaneten - also eine Planetenvorstufe - handelt, derart wenig Sonnenlicht abbekommt, dass sich Wasser hier seit mehreren Milliarden Jahren in Form von Eis im Untergrund erhalten haben könnte. Ihre Schlussfolgerungen basieren auf dem von ihnen erstellten Modell der Durchschnittstemperaturen und der Beleuchtung der Oberfläche durch die Sonne, die wiederum auf Beobachtungen von Vesta mit Teleskopen, darunter auch mit dem Weltraumteleskops Hubble, basieren.

"In der Nähe des Nord- und Südpols des Asteroiden, finden sich wahrscheinlich Bedingungen, die Wassereis unterhalb der Oberfläche begünstigen", so Stubbs. Aufgrund der Neigung seiner Achse von rund 27 Grad und der damit einhergehenden wechselnden Jahreszeiten, die Sonnenlicht an nahezu jeden Ort der Oberfläche bringen, verfüge der Asteroid jedoch nicht über eine signifikante Anzahl von immerschattigen Kratern, in denen - wie etwa auf dem nur um 1,5 Grad geneigten Mond - Wassereis auch auf der Oberfläche bewahrt werden könne.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Das Vorhandensein oder auch die Abwesenheit von Wassereis auf Vesta, könnte den Wissenschaftlern Erkenntnisse über die Entwicklung dieser Kleinstwelt und darüber verraten, wie der Asteroid in seiner Vergangenheit mit Einschlägen anderer Himmelskörper, etwa von Kometen, und den im All vorherrschenden Umweltbedingungen interagiert hatte.

Da auch auf anderen Himmelskörpern wie etwa dem Mond, dem Planeten Merkur oder anderen Asteroiden ähnliche Prozesse stattfanden und stattfinden, könnten die anhand von Vesta gemachten Beobachtungen auch zu einem besseren Verständnis des ganzen Sonnensystems führen. Zudem sei Wassereis auf Vesta auch eine wertvolle Ressource für die weitere Erkundung des Sonnensystems.

Auch wenn die Temperaturen auf Vesta über das Jahr hinweg fluktuieren, so sieht das Modell der Forscher an den Polen des Asteroiden eine Jahresdurchschnittstemperatur von knapp minus 130 Grad vorher. Hierbei handelt es sich um die kritische Grenze, bei der Wassereis in der nur wenige Meter dicken Oberflächenschicht, im sogenannten Regolith, überdauern kann.

Temperaturmodell der Polregion von Vesta belegt, dass hier Wassereis vorhanden sein und gehalten werden könnte (Angaben in Kelvin). | Copyright: NASA/GSFC/UMBC

Rund um den Äquator des Asteroiden beträgt die Durchschnittstemperatur rund minus 123 Grad. Bis zu den 27 Breitengraden könnte hier also Wasser ins All verfliegen. "Vestas Pole sind also geeignete Orte, um Wassereis auf dem Asteroiden zu halten", so Stubbs. "Doch auch hierhin dringt das Sonnenlicht während der wärmeren Sommermonate vor, ein Umstand, der dem Eis gefährlich werden könnte. Wenn es also Wassereis in diesen Regionen gibt, so ist es wahrscheinlich relativ tief in trockenen Regolith-Schichten vergraben."

Unabhängig von den aktuellen Modellberechnungen legen erdgestützte Beobachtungen des Asteroiden nahe, dass Vestas Oberfläche ziemlich trocken ist. Doch schon die erwarteten Daten der Sonde "Dawn" (...wir berichteten, s. Links) könnten dieses Bild neu zeichnen. Dawns Aufgabe ist es, die Rolle von Wasser in der Evolution von Planeten anhand der Asteroiden Vesta und dem Zwergplaneten Ceres zu untersuchen. Wie Vesta, so gilt auch Ceres als Protoplanet, also als eine Planetenvorstufe, deren weiteres Wachstum durch die Kräfte des Jupiters verhindert wurde.

Mit einem Gammastrahlen/Neutronen-Spektrometer (GRaND) sucht die Sonde nach Wasserstoffreichen Ab- und Einlagerungen, die mit Wasser in Verbindung stehen könnten. Erst kürzlich hat die Sonde einen tiefen Orbit um Vesta eingenommen, aus dem heraus die Neutronendaten gewonnen werden können (...wir berichteten, s. Links).

"Anhand der Dawn-Daten, die seit einigen Monaten eintreffen, hat sich unsere Wahrnehmung von Vesta stark verändert", kommentiert die Goddard-Planetenwissenschaftlerin Lucy McFadden die Mission. "Wenn wir nun aber tatsächlich Wasser auf Vesta finden, ist die nächste Frage, ob es sich um sehr altes oder sehr junges Wasser handelt. Beides ist eine sehr faszinierende Vorstellung."

Die bisherigen Modelle von Stubbs und Wang basieren hautsächlich auf den Informationen über die Form des Asteroiden, wie sie vom Weltraumteleskop Hubble 1994 und 1996 zusammengetragen wurden. Jetzt sollen die Modelle anhand der Dawn-Daten auf den aktuellen Stand gebracht werden. Schon in wenigen Monaten erwarten die Wissenschaftler die ersten Ergebnisse des GRaND-Instruments und damit möglicherweise Hinweise auf Wasser im Regolith des Asteroiden.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Dawn-Sonde liefert faszinierende Nahaufnahmen von Asteroid Vesta
22. Dezember 2011
Ist der Asteroid Vesta in Wirklichkeit ein erdartiger Planet?
13. Dezember 2011
Asteroid Vesta in Nahaufnahmen und in 3D
2. Dezember 2011
Neue Asteroidenkarte bestätigt gewaltigen Meteoriteneinschlag auf Vesta
20. September 2011
Mission Dawn: Überraschungen auf Asteroid Vesta
16. September 2011
Dawn liefert neue Nahaufnahmen von Asteroid Vesta
2. August 2011
Astrofotografie: Raumsonde liefert erste Nahaufnahmen von Asteroid Vesta
19. Juli 2011
Raumsonde Dawn tritt heute in eine Umlaufbahn um den Asteroiden Vesta ein
15. Juli 2011
Hat Asteroid Vesta einen Mond?
8. Juli 2011
Sonde entdeckt rätselhaften dunklen Fleck auf Asteroiden Vesta
15. Juni 2011
Sonde hat erstmals Blickkontakt mit Asteroid Vesta
16. Mai 2011
Asteroid Vesta in 3D - Testlauf für die Ankunft der Dawn-Sonde im Asteroidengürtel
11. März 2011

Zum Thema:


- - -

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE