Freitag, 24. August 2012

Bonobo stellt Werkzeuge her wie Frühmenschen


Bonobo Kanzi. | Copyright: greatapetrust.org

Haifa (Israel) - Immer wieder überrascht ein 30 Jahre alter Bonobo Wissenschaftler und Verhaltensforscher mit seinen außergewöhnlich kognitiven und handwerklichen Fähigkeiten, die die Grenzen zwischen Tier und Mensch zu überschreiten scheinen. Jetzt hat Kanzi, so der Name des Zwergschimpansen, gezeigt, dass er Werkzeuge auf die gleiche Weise herstellt und einsetzt, die dies wahrscheinlich schon Frühmenschen getan haben.

Schon zuvor war es den Forschern gelungen, Kanzi eine einfache Form von Zeichensprache beizubringen, mit deren Hilfe sich der Menschenaffe mittels einer Tatstatur oder einer Maltafel etwa nach Bananen oder Saft fragen kann.

In neuen Experimenten offenbarte Kanzi nun auch, dass er die Fähigkeit besitzt, einfache Werkzeuge auf wahrscheinlich ganz ähnliche Art und Weise herzustellen und zu nutzen, wie dies schon unsere frühen Vorfahren taten.

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Wie die Verhaltensforscher um Eviatar Nevo von der University of Haifa aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, versteckten sie Futter im Innern von danach wieder versiegelten Baumklötzen und beobachteten, wie Kanzi versuchte, an dieses Futter zu gelangen (s. Video).

Während ein anderer Bonobo sich dieses Problems mehrfach erfolglos angenommen hatte und lediglich durch das Hinwerfen des Stammes an das Futter gelangte, benötigte Kanzi zwar länger, bediente sich aber deutlich komplexer Methoden.


Steckt im Bonobo Kanzi ein erwachender Affen-Genius?
| Copyright: greatapetrust.org


Obwohl beide Affen schon in den 1990er Jahren die Herstellung von scharfen Feuersteinabschlägen mittels zweier Steine beigebracht worden war, nutze nur Kanzi die ihm von den Forschern zur Verfügung gestellten Werkzeuge, wie etwa Äste, Hirschgeweihe oder verschiedene Steine, um an die Futterbelohnung im Innern des Stammes zu gelangen. Hierzu versuchte er beispielsweise kleine Äste gezielt in Spalten des Baumklotzes zu stecken, Steine gezielt danach zu werfen und Steinabschläge und andere Bruchstücke zum Anritzen, -kratzen und -bohren und Aufdrehen de Holzes zu nutzen.

Schlussendlich erlangte Kanzi so das Futter aus 24 Holzklötzen. Sein Partner war nur bei zwei Versuchen erfolgreich. Ähnliches galt für fest im Boden vergrabenes Futter. Auch hier zeigte Kanzi eine erstaunliche Auswahl der von ihm benutzten Werkzeuge, wenn er beispielsweise breite und Flache Steine zum Graben benutzte, während sein Gegenüber alle Arten der vorhandenen Steine ganz ohne eine Auswahl zu treffen mehr oder weniger erfolgreich einsetzte. Zugleich waren die Forscher über die Ähnlichkeit der von Kanzi hergestellten Werkzeuge mit denen von Frühmenschen erstaunt.

 
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Ob Kanzis Fähigkeiten auch allgemein auf andere Bonobos übertragen werden kann, darüber streiten die unterschiedlichen Forscher. Für die israelischen Forscher sind die aktuellen Experimente zumindest ein Beleg dafür, dass zumindest einzelne Bonobos prinzipiell technische Fähigkeiten besitzen, die bisher als typisch für den Menschen und seine Vorfahren galten. 

Mit dieser Beobachtung einhergehend müsse nun auch die Frage gestellt werden, ob diese Fähigkeiten tatsächlich erst mit dem Aufkommen der Gattung Homo entstanden oder ob sie nicht bereits beim gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Bonobos vorhanden war. Für die Forscher deuten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen darauf, dass Letzteres der Fall zu sein scheint. 

Weitere Untersuchungen sollen nun ergründen, ob Kanzis Fähigkeiten einzigartig und möglicherweise auf seine spezielle Lebensweise in direkter Nähe zu Menschen zurückzuführen sind oder ob auch andere Bonobos zu solchen Leistungen fähig sind - schließlich verweisen Kritiker schon jetzt auf den Umstand, dass Kanzi die Fähigkeit der Feuersteinabschläge von Menschen speziell beigebracht bekam. 

- Weitere Information zu Kanzi finden Sie HIER 

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Quellen: newscientist.com, haifa.ac.il
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