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Montag, 22. September 2008

C14-Analyse: Stonehenge neu datiert

Der Steinkreis von Stonehenge im englischen Wiltshire | Copyright: franklaumen.de

Stonehenge/ England - Nach fast einem halben Jahrhundert fanden in diesem Frühjahr zum ersten Mal wieder archäologische Ausgrabungen im Innern des Steinkreises von Stonehenge statt. Jetzt liegen die neusten C14-Analysen des hierbei gefundenen organischen Materials vor. Diese datieren den Bau den Monuments Jahrhunderte später, als bislang angenommen.

Bislang gingen Wissenschaftler und Forscher davon aus, dass die erste Phase, in der auf Stonehenge die so genannten Blausteine zu ursprünglich zwei konzentrischen Ringen aufgestellt wurden, zwischen 2600 und 2300 v. Chr. begann. Tatsächlich - so besagen es die neuen C14-Analysen - wurde mit dieser Arbeit erst rund 300 Jahre später, also gegen 2300 v. Chr. begonnen.

Für die Analysen konnten bei der von der BBC mitfinanzierten Ausgrabung im Frühjahr (...wir berichteten) rund 100 Stücke organischen Materials vom Fuße der Blausteine, also relativ tief im Boden unter der Oberfläche, gewonnen werden. Dieses Material wurde sodann an der "Oxford University" mit den neusten Verfahren und Methoden der Radiokarbondatierung (C14) untersucht und dabei 2400 bis 2200 v. Chr. als wahrscheinlichstes Datum der Ersterrichtung der Blausteinkreise ermittelt. In den kommenden Monaten sollen weitere Analysen ein noch genauere Datierung ermöglichen.

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C14-Analysen von weiteren Proben organischen Materials der Umgebung zeigen zudem, dass die Gegend um Stonehenge bereits seit etwa 7200 v. Chr. besiedelt wurde - 3500 Jahre früher als bislang angenommen.

Interessanterweise fällt somit der Baubeginn von Stonehenge in die gleiche Zeitphase mit der Beerdigung des so genannten "Bogenschützen von Amesbury" (The Amesbury Archer), dessen Grab drei Meilen vom Steinkreis entfernt gefunden wurde und von dem viele Archäologen glauben, dass er eine Schlüsselrolle zum Verständnis von Stonehenge einnimmt.

Anhand seines Grabfundes konnte ermittelt werden, dass es sich um einen wohlhabenden und mächtigen Mann handelte, der mitsamt seinem Wissen über Eisenverarbeitung aus dem europäischen Alpenraum in die Ebene von Salisbury gekommen war.

Eine medizinische Analyse des Skeletts zeigte, dass der alpine Bogenschütze schwere Verletzungen am Knie und möglicherweise fatale Zahnerkrankungen hatte - ein Umstand, der die leitenden Archäologen Tim Darvill und Geoff Wainwright zu der Annahme kommen ließ, dass Stonehenge als eine Art prähistorisches Lourdes, als Heilzentrum und Pilgerstätte für Menschen aus ganz Europa diente. Auch weitere Grabfunde aus dem Umfeld des Steinkreises deuteten in diese Richtung (...wir berichteten).

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Somit widersprechen die Professoren einer anderen Theorie, wobei es sich bei dem Bogenschützen von Amesbury um einen der Erbauer des Monuments gehandelt haben könnte. Kritiker widersprechen einer eindeutigen zeitlichen Zuordnung jedoch. Bislang könne nicht eindeutig belegt werden, ob der Bogenschütze schon vor oder bereits nach der Errichtung der ersten Bauphase gestorben und beigesetzt wurde. Eine genaue Zuordnung seiner Absichten und Beziehungen zum Monument selbst, seien also weiterhin ungewiss.

Am Fundament der Blausteine machten Darvill und Wainwright eine weitere Entdeckung, die in ihre Theorie von Stonehenge als Pilgerstätte - zumindest aus heutiger Sicht - zu passen scheint: Im Boden rund um die Steine fanden sich zahlreiche Blausteinsplitter - dreimal mehr als etwa Splitter von den späteren mächtigen Sarsen-Steinen. Diese interpretieren die beiden Archäologen als Reste von Bemühungen der frühgeschichtlichen Pilger, sich Talismane aus dem Monument herauszubrechen und als Heilsteine mit nach Hause zu nehmen.

Der Streit darüber, was Stonehenge ursprünglich war, wird also sicherlich andauern. Durch die exakte Neudatierung wird sowohl Wissenschaftlern als auch Forschern und Laien ein neues und wichtiges Mittel an die Hand gegeben, um ihre Theorien zu überprüfen.

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, 24. August 2007

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / bbc.o.uk
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