Montag, 28. November 2011

Sonnenkult: Archäologen lüften Geheimnisse um Stonehenge

Der Steinkreis von Stonehenge im englischen Wiltshire. | Copyright: franklaumen.de

Birmingham/ England - Archäologen haben auf dem Areal rund um den imposanten Steinkreises von Stonehenge in der südenglischen Grafschaft Wiltshire zwei große Gruben entdeckt, die gemeinsam mit dem heute noch sichtbaren Steinkreis am Firmament ausgerichtet sind. Die neuen Funde deuten daraufhin, dass die Anlage schon lange Zeit vor der Errichtung der ersten Steine nach der Sonne ausgerichtet und wahrscheinlich zur Bestimmung jahreszeitlicher Feste genutzt wurde.

Positioniert innerhalb des sogenannten Stonehenge-Cursus, ein sich über fast drei Kilometer hinweg lang gestrecktes und einst von Wällen eingefasstes Erdwerk in der Nähe der Steine, sind die beiden Gruben auf den Sonnenaufgangspunkt zur Sommer-Sonnenwende (Mittsommer) über dem sogenannten Heel Stone, einem markanten Stein außerhalb des Eingangs zu Steinkreis selbst, ausgerichtet.

Für die Archäologen des internationalen Teams um Professor Vince Gaffney von der "University of Birmingham" und dem Wiener "Ludwig Boltzmann Institute for Archaeological Prospection and Virtual Archaeology" stellen die Funde erstmals einen direkten Bezug zu Ritualen und der Beobachtung von Himmelsphänomenen dar, wie sie wahrscheinlich auf dem Stonehenge-Areal einst praktiziert wurden.

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Neben den Gruben haben die Forscher auch zwei bislang unbekannte Öffnungen im Wall des Stonehenge-Cursus entdeckt, die sie für mögliche Ein- und Ausgänge halten, durch die Prozessionen innerhalb des fast 100 Meter breiten Cursus die Anlage betreten und verlassen haben könnten.

Luftbild: Der Stonehenge-Steinkreis (m.) mit dem Cursus im Hintergrund (Pfeile). | Quelle: english-heritage.org.uk

"Das ist das erste Mal, dass wir derartiges in Stonehenge gefunden haben und es ermöglicht uns einen sehr viel komplexeren Blick auf die Rituale, die möglicherweise innerhalb des Cursus und in der umgebenden Landschaft praktiziert wurden. Die Funde legen zudem nahe, dass - obwohl Stonehenge selbst zweifelsohne das wichtigste Monument der Anlage darstellte - der Steinkreis nicht der einzige oder wichtigste Ort ritueller Handlungen und Vorstellungen gewesen war. Wahrscheinlich war das gesamte Areal schon zu deutlich früheren Zeiten als bislang gedacht eine wichtige heilige Stätte", so Gaffney.

In der gesamten Umgebung um den Steinkreis finden sich zahlreiche weitere Anlagen, darunter Hügelgräber, aber auch das nicht weit entfernte "Woodhenge", eine Kreisanlage, die einst mit Holzpfählen markiert und möglicherweise überdacht war, sowie mögliche Prozessionswege, die auch den Fluss Avon miteinbezogen. Die Ergebnisse der neuen Ergründung des Stonehenge-Areals sollen nun dabei helfen, eine neue Sicht auf die einstigen Aktivitäten und somit ach die Verbindung der damaligen Gesellschaften mit der Umwelt ermöglichen. Aufgrund der neuen Entdeckungen vermuten die Forscher, dass der Cursus der Zeremonialplatz für Prozessionen zur Feier des längsten Tages im Jahr darstellte.

Schon zuvor hatten Archäologen erkannt, dass Stonehenge selbst auch zur Beobachtung astronomischer Phänomene errichtet und verwendet wurde, wie sie den Jahresablauf der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaften bestimmten.

"Unsere neuen Funde bestätigen die Vorstellung, dass alle Anlagen auf dem Stonehenge-Areal mit den Ritualen, wie sie im Steinkreis selbst durchgeführt wurden, abgestimmt waren. Prozessionen innerhalb des Cursus könnten sich bei Sonnenaufgang am längsten Tag des Jahres von der östlichen Grube Richtung Westen bewegt haben, um - dem Weg der Sonne folgend - bei Sonnenuntergang die westliche Grube zu erreichen. Beobachter der Zeremonie könnten diese von 'Heel Stone' aus verfolgt haben, anhand dessen die beiden Gruben ausgerichtet waren", vermutete Gaffner. Möglicherweise waren die Gruben selbst mit stehenden Steinen, Pfählen oder gewaltigen Feuern markiert.

"Vermisst man die Wegstrecke zwischen den beiden Gruben, so könnte eine solche Prozession genau gen Mittag die Hälfte des Cursus durchschritten haben. Zu dieser Zeit hätte die Sonne dann direkt über dem Steinkreis gestanden", erläutert auch der Archäologe Dr. Henry Chapman. "Das ist mehr als nur ein Zufall und belegt dass die Länge des Cursus und die Position der beiden Gruben (mit dem Steinkreis abgestimmt) und von großer Bedeutung waren."

Während der Stonehenge-Steinkreis selbst in der späteren neolithischen Periode und zur Bronzezeit sicherlich das wichtigste Monument in der Landschaft war, war er jedoch von zahlreichen heiligen Orten und Bauten umgeben, die zur Zeit der Errichtung der ersten Steine bereits alt waren.

Ein weiterer Fund des Teams der britischen und österreichischen Archäologen ist eine hufeisenförmige Anordnung von Pfahllöchern, nordöstlich des Steinkreises. Gemeinsam mit einem weiteren Henge-ähnlichen Monument, das erst vor einem Jahr entdeckt wurde (...wir berichteten) und einer Reihe weitere kleinere Monumente, könnte diese Anlage als Schreine gedient haben, wie sie von Besuchern des kultischen Zentrums genutzt wurden.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuel.de / birmingham.ac.uk
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