Mittwoch, 4. Januar 2012

Menschenaffen treffen komplexe Entscheidungen

Archiv: Schimpanse im Zoo | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Nijmegen/ Niederlande - Schimpansen, Orang-Utans, Gorillas und Bonobos treffen Entscheidungen auf sehr viel komplexerer Grundlade als bislang angenommen. So wägen Menschenaffen die Wahrscheinlichkeiten auf Erfolg auf der Grundlage ihrer bisherigen Erfahrungen ab. Die Entdeckung könnte auch Rückschlüsse auf das menschliche Entscheidungsverhalten erlauben und belegt erneut eine deutlich komplexere Gedankenwelt der Menschenaffen als bislang gedacht.

Wie die Forscher um Daniel Haun vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen und Kollegen des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig aktuell um Fachmagazin "PLoS" berichten, haben sie den Tieren zunächst zwei Arten von Bananenstücken vorgelegt: eine kleinere die immer am selben Ort zu finden war und größere Bananen, die dann jeweils immer wieder unter unterschiedlichen Tassen verborgen wurden und damit also eine risikoreichere Wahl darstellte.

Bei ihren Studien haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass die Wahl der Menschenaffen von ihrer Unsicherheit und der eingeschätzten Erfolgswahrscheinlichkeit angesichts der riskanten Wahl bestimmt wird - für die Forscher ein deutlicher Hinweis auch eine komplex entwickelte Entscheidungsfindung.

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So wählten die Menschenaffen sehr viel öfter die kleineren Bananenstücke, wenn sie sich unsicher darüber waren, unter welcher Tasse das große Stück verborgen war: Je geringer also die Wahrscheinlichkeit der richtigen Wahl, desto häufiger wählten die Tiere das offen liegende, damit aber auch kleinere Stück.

Zudem fanden die Forscher heraus, dass die Menschenaffen in nicht weniger als der Hälfte der Versuche, das größere Stück suchten - auch wenn damit das Risiko verbunden war, statt des großen Bananenstücks überhaupt nichts zu bekommen. "Diese riskante Entscheidungsfindung nahm auf fast 100 Prozent zu, je größer der Größenunterschied zwischen dem kleinen und dem größeren Futterstück wurde", so die Pressemitteilung des Max-Planck-Institut für Psycholinguistik (www.mpi.nl).

Während alle vier Arten von Menschenaffen komplexe Entscheidungen und Strategien zur Entscheidungsfindung aufzeigten, zeigten Schimpansen und Orang-Utans eine deutlich größere Tendenz zu risikoreichen Entscheidungen als vergleichsweise Gorillas und Bonobos. Der genaue Grund für diesen Unterschied ist bislang jedoch noch unklar.

"Unsere Studie fügt der stets anwachsenden Beweiskraft für ein wesentlich komplexer entwickelte Gedankenwelt von Menschenaffen, ein weiteres Element hinzu", so Haun.

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