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Mittwoch, 13. Februar 2008

Ist Nessie schon längst tot?

Unterwasseraufnahmen von Robert Rines: "Hinterteil mit Flosse" 1972 (l.), "Körper" (m.) und "Kopfdetail" (r.) 1975 | Copyright: Robert Rines

Inverness/ Schottland - Auch im kommenden Sommer will der mittlerweile 85-jährige Anwalt und Forscher Dr. Robert Rines am Loch Ness nach dem legendären Ungeheuer suchen. In den 1970er Jahren gelang es Rines, der damals der Academy of Applied Science vorstand, mittels Sonar Aufnahmen eines großen Objekts im Loch Ness zu machen, die seither kontrovers diskutiert werden. Auch will er das Ungeheuer gemeinsam mit Freunden selbst an der Wasseroberfläche gesehen haben. In einem Interview erklärt er nun, dass er glaube, dass Nessie wahrscheinlich nicht mehr lebe.

Gegenüber dem Boston Globe erläutert Rines, er sei sich sicher, dass es bis in die 1970er Jahre noch mindestens zwei Exemplare des Seeungeheuers im trüben Süßwasser des Loch Ness gegeben habe. Seit den 1980er Jahren sei es ihm und seinem Team jedoch nie wieder gelungen, ähnlich große Objekte mittels Sonar zu orten, wie 1970, 1972 und 1975.

1970 benutze Rines Sonarmessungen, um im See große Objekte aufzuspüren. Am 20. September registrierte das Sonar große Objekte und zur selben Zeit, dass Fische in dem Areal verstört reagiert hatten. 1972 kehrte das Team zurück - nun mit einer Stroboskop-Unterwasserkamera und weiteren Sonargeräten ausgestattet. Am 8. August registrierten die Sonarsensoren erneut große Objekte, vor denen Fischschwärme zu flüchteten. Eines der Objekte passierte die Unterwasserkamera in 13 Metern Tiefe und rund sechs Metern Entfernung, während diese alle 15 Sekunden mittels Blitz das trübe Wasser erhellte und Aufnahmen machte. Dabei gelang es offenbar, den hinteren Teil eines vorbeiziehenden "Objekts" zu fotografieren, das anhand eines flossenartigen Details mit grobstrukturiert hautartiger Textur und Schwanzansatz durchaus mit Merkmalen der von Nessie-Forschern oft beschworenen Plesiosaurier zu vergleichen war.

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Experten schätzen die Länge dieser "Flosse" auf bis zu 2,5 Meter. Die American Smithsonian Institution verglich den "Schwanzansatz" mit dem eines Molches. Das New England Aquarium erklärte, dass die Form der "Flosse" keiner bekannten Säugetierart zugeordnet werden könne. Experten des British Natural History Museum attestierten, dass die Aufnahmen authentisch seien und den Durchzug eines großen Objekts darstelle. Auch die Sonaraufzeichnungen bestätigten diese Einschätzung und man kam zu dem Schluss, dass es im Loch Ness große Tiere von mindestens 10 Metern Länge gebe, deren Körper aus verschiedenen Segmenten bestünden. Allround-Skeptiker wie Joe Nickel zeigen sich hingegen von jeher ob der Aufnahmen von Rines skeptisch und unbeeindruckt - schließlich könne man in den Bildern alles und zugleich nichts erkennen...

Erst 1975 gelangen Rines weitere Unterwasseraufnahmen, welche den Vergleich mit einem Plesiosaurier zu bestätigen schienen und weltweit für Interesse sorgten. Auf den Bildern glaubten die Forscher den Kopf eines der Wesen in Nahaufnahme und sogar den nahezu ganzen Körper zu erkennen glauben. Bevor die Bilder im Dezember des gleichen veröffentlicht wurden, hatte das Team um Rines diese von zahlreichen zoologischen Forschungseinrichtungen in England, den USA, Kanada und Europa untersuchen lassen. Auch sie kamen erneut zu dem Schluss, dass die Bilder die Anwesenheit großer unbekannter Tiere im Loch Ness bestätigen. Doch auch diese Aufnahmen waren aufgrund der groben Auflösung und der wenigen Details nicht in der Lage Kritiker zu überzeugen.

Rekonstruktion Pleasiosaurier Thalassomedon (Illu.) | Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de

Auch wenn Rines bis heute den endgültigen Beweis für die Existenz des Seeungeheuers noch nicht erbringen konnte, so gelangen ihm dennoch auch in den vergangenen Jahren wichtige Entdeckungen, die seine Theorien, wonach es sich bei Nessie um überlebende Exemplare großer Meerestiere handele, stützen. So entdeckte er vor sechs Jahren, dass der Loch Ness einst mit dem Meer verbunden war. Im Sommer 2007 fotografierte Rines' Unterwasserkamera in 100 Metern Tiefe eine gewöhnliche Kröte - also weit entfernt vom bislang bekannten Lebensraum der Amphibien. Könnte also auch Nessie zumindest für mehrere Jahrhunderte jenseits seines eigentlichen Lebensraumes im Loch Ness überlebt haben?

Nach vielen Jahren, in welchen Rines keine weiteren Aufnahmen mehr gelangen, konzentrierte er seine jährlichen Expeditionen auch auf die Suche nach den sterblichen Überresten der Tiere - allerdings bislang ohne Erfolg. "Jetzt", so Rines im Interview mit dem Globe, "gehen mir neben den Ideen wie die Existenz des Ungeheuers bewiesen könne, auch langsam die Jahre aus", und er fügt hinzu: "Es gibt so viele Augenzeugen. Sind das alles Lügner - alles Betrunkene? Ich glaube das nicht."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / boston.com / nessie.co.uk

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