Donnerstag, 9. Juni 2011

Kunsthistoriker: "Turiner Grabtuch ist eine Kopie Giottos aus der frühen Renaissance"

Positiv- (l.) und Negativansicht (r.) der Kopfpartie des Turiner Grabtuches | Copyright: Public Domain

Rom/ Italien - Kein Geringerer als der Wegbereiter der Renaissance, der italienische Maler Giotto di Bondone, soll hinter jenem Leinentuch stecken, welches den Körperabdruck eines Gekreuzigten zeigt, seit Jahrhunderten von Gläubigen als Grabtuch Christi verehrt und von Kritikern als aufwendige Fälschung bezeichnet wird. In seinem gerade erschienenen Buch legt der Kunsthistoriker Luciano Buso Belege für seine Theorie dar.

Busos Hauptindiz ist seine Entdeckung von Details auf dem Grabtuch, die er für die Unterschrift Giottos sowie mehrere Varianten der Zahl 15 hält. Letztere hält der Forscher für einen Hinweis auf das Jahr 1315. In diesem, so Busos Theorie weiter, sei der Künstler mit einer exakten Kopie des Originals beauftragt worden, welches nach Jahrhunderten immer stärker beschädigt und in Mitleidenschaft gezogen worden war. Bei dieser Kopie handele es sich nun um jenes Leinen, wie es heute noch als Original verehrt werde und erst im vergangenen Jahr erneut der Öffentlichkeit gezeigt wurde (...wir berichteten, s. Links). Von der Existenz eines Originals zeigt sich der Forscher weiterhin überzeugt und glaubt auch, dass es einst den Leichnam Christi bedeckt hatte.

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Die verschiedenen Ziffern 15 sowie den Namen des Künstlers will Busos nach monatelanger Analyse versteckt auf den Abdrücken der Handflächen und des Gesichts entdeckt haben. Der Grund, weshalb diese Details bislang trotz zahlreicher Untersuchungen und Analysen nicht entdeckt wurden, sieht der Forscher in dem Umstand, dass sie durch kryptische Muster aus Pinselstrichen dargestellt wurden und dadurch für das menschliche Auge kaum sichtbar sind. Für den anerkannten Kunstrestaurator war die Wahl Giottos für den kirchlichen Auftrag nahe liegend, galt dieser doch als einer der begabtesten Meister seiner Zeit.

Zwar könnte Busos Szenario erklären, warum bisherige Radiokarbondatierungen des Grabtuchs das Leinen ins frühe 14. Jahrhundert datieren, doch Kritiker verweisen auf Unstimmigkeiten mit den tatsächlichen Eigenschaften des Grabtuchs. Professor Bruno Barberis, Direktor des Turiner Grabtuchmuseums etwa verweist darauf, dass physikalische und chemische Tests gezeigt haben, dass es sich bei dem Grabtuch eben nicht um ein Gemälde, also Farbauftrag handele. "Zum anderen wurde das Leinen schon von unzähligen Experten untersucht und sie alle haben darauf schon die unterschiedlichen Dinge entdeckt haben wollen. Es scheint so, wie wenn man den Mond betrachtet und nach einiger Zeit glaubt, Augen, Nase und einen Mund zu erkennen", zitieren u.a. britische Zeitungen wie etwa der "Daily Telegraph".

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / telegraph.co.uk
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